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Nicht jeder Krieger trug ein Kettenhemd.
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Um diesen Angaben eine greifbare Dimension zu geben, muß man die Kaufkraft eines Schillings erläutern:
| 1 Kuh | 1 Schilling |
| 1 Stier | 2 Schillinge |
| 1 Hengst | 6 Schillinge |
Eine komplette Kriegsausrüstung kostete also ungefähr 30 Kühe !!! (Das sind mehr Milchviehcher als auf einem durchschnittlichen Bauernhof des 20 Jahrhunderts zu finden sind!) Also mußten viele zum Kriegsdienst gerufene mit dem Vorlieb nehmen, was freundliche Vorfahren schon angeschafft hatten, bzw. was die Kasse so hergab.
Für einen Kriegszug wurde zwar eine bestimmte Ausrüstung gefordert, aber nicht alles, was gefordert wird kann auch erfüllt werden. Da jedoch fast jeder Krieger ein gewisses Interesse daran hat lebend zurückzukehren, wird er sowohl auf eine gewisse Bewaffnung als auch auf eine hinreichende "Panzerung" Wert gelegt haben.
Es galt also, ständig einen Kompromiß zu finden zwischen einer gewünschten und einer finanzierbaren Bewaffnung und Panzerung.
Aus eigener Erfahrung in unserer Gruppe kann ich sagen, daß es ~ 180 Stunden dauert ein Kettenhemd zu flechten. Ein Lederpazer kann jedochb in ungefähr 12 Stunden hergestellt werden. Ein Metallhelm braucht Tage in seiner Herstellung während ein Lederhelm in einem Tag vollendet werden kann.
Man sollte vielleicht noch erwähnen, daß der für das Kettenhemd benötigte Draht damals noch nicht im Baumarkt erhältlich war und auch das von mir erworbene Leder wäre damals eine Kostbarkeit gewesen... Allein das Ausgangsmaterial eines Kettenhemdes muß damals mehr als 10 Kühe wert gewesen sein! Gutes Eisen war also ein relativ kostbares Material. Auch Leder war in leidlicher Qualität nicht uneingeschränkt verfügbar. Die Gerberei war eine eigenes Handwerk. Jedoch wird in jeder größeren Siedlung auch gegerbt worden sein.
Der preiswerteste Schutz läßt sich jedoch aus Stoff herstellen. Ein sogenannter Wattepanzer (Gambeson, Aceton) ist wie eine überdimensionierte Steppdecke aufgebaut. Dabei wurden die einzelnen Stoffschichten so angeordnet, daß der Fadenverlauf der einen Schicht immer in einem Winkel zum Fadenlauf der folgenden Stofflage verlief. Der Träger hofft darauf, daß auch ein Schwert sich erst einmal durch das Material hindurch schneiden muß... Das gleiche Prinzip wird heute noch bei den Unterschenkel - Schützern bei Waldarbeitern verwendet. Die diversen Stoffschichten setzen sich in der Kette der Kettensäge fest und bringen diese (hoffentlich) rechzeitig zum stehen...
Es ergibt sich also folgende Abstufung in der Güte und im aufzuwendenden Preis: Kettenhemd (bzw Plattenpanzer), Lederpanzer, Wattepanzer.
Vermutlich wird in einem Heer alles vertreten gewesen sein zwischen erstklassigen Kettenhemden bis zu gottesfürchtigen Trägern von Wattepanzern. Der Lederpanzer dürfte einen bewährten Mittelweg dargestellt haben. Bei all ihren Nachteilen hatten Watte- und Lederpanzer einen entscheidenden Vorteil: das Gewicht! Ein ausgewachsenes Kettenhemd wiegt 15 bis 20 Kilo! Ein Wattepanzer oder auch ein Lederpanzer wiegt um 3 Kilogramm. Dieser Vorteil kommt zwar nur dann zum tragen, wenn ein Gefecht sich in die Länge zieht - manch eine Schlacht hat Tage gedauert. Ein echter Zweikampf zwischen zwei Streitern dauert jedoch normalerweise nicht länger als zwei Minuten (vgl. Ken-Do, Karate, Extrem-Fighting etc.). Mit anderen Worten: ein sehr früh angelegtes Kettenhemd nagt an den Kräften seines Trägers.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der Geldbeutel heute wie damals über die Ausrüstung (und Erfolg) entscheidet. Der Irak wurde von den US amerikanischen Truppen aufgrund der besseren Ausrüstung überrannt... Ein Kämpfer im Wattepanzer, der einem voll ausgerüsteten Ritter gegenüber stand wird sich auch sein Teil zum Thema Chancengleichheit und Fairneß gedacht haben...