Es kommt also auf eine gute Choreographie an! Damit ist nicht gemeint, daß man möglichst viele schnelle und komplizierte Techniken aneinanderhängt. Davon hat ein ungeschultes Publikum nichts.
Die Aktionen sollten verständlich und möglich sein. Bei (für das Publikum) unverständlichen Aktionen fangen die Zuschauer schnell an, sich zu langweilen.
Eine langsame und verständliche Fecht-Sequenz kann für die Zuschauer ansprechender sein, als eine sehr schnelle, technisch anspruchsvolle (nur noch für Vollprofis verständliche) Techniken-Abfolge.
Für das Publikum ist es auch wichtig, anfangs eine klare Aufteilung in „gute“ und „böse“ Charaktere vorzufinden. Um eine Charakterentwicklung von „gut“ nach „böse“ oder umgekehrt darstellen zu können, benötigt man ein gewisses schauspielerisches Talent. Wer diese Gabe nicht besitzt, sollte sich auf eindeutige, nicht veränderliche Charaktere beschränken. Je weniger Zeit für eine Aufführung vorhanden ist, desto weniger sollten die Darsteller von guten und bösen Prototypen abweichen. „Graudifferenzierungen“ der Charaktere erhöhen den Reiz der Aufführung nur dann, wenn genügend Zeit vorhanden ist.
Es gibt zwei grundlegend verschiedene Arten von Fechtsequenzen: die
eine verzichtet völlig auf die Darstellung von Verwundung und Tod
– das Duell bleibt für beide Protagonisten ohne physischen Folgen.
Die andere Variante stellt auch Verletzung und/oder Tod dar. Bei dieser
Variante muß dem Zuschauer gegenüber eine glaubwürdige
Illusion aufgebaut werden.
Desgleichen verhält es sich mit Schnittverletzungen. Der Getroffene folgt der Bewegungsrichtung der Klinge. Es ist immer gut, nach dem Treffer die Stelle, an der die Klinge eingedrungen wäre, mit der Hand oder einem Arm zu verdecken. Dadurch kann die Illusion der Verletzung aufrechterhalten werden – auch ohne Blut.
Stirbt der Protagonist, so sollte er einige Sekunden liegen bleiben,
bevor er „wiederaufersteht“. Ansonsten fühlt sich der Zuschauer um
die Illusion betrogen. Erfolgt keine Wiederauferstehung, kann gerade für
jüngere Zuschauer ein bitterer Nachgeschmack bleiben. Dieser Nachgeschmack
kann auch dadurch entstehen, daß auf der Bühne zu ernst gestorben
wird. Bühnengefechte sind meist keine ernsthafte Darstellung, sondern
eine Form der gefochtenen Komödie.