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4) Schaukampf: Wie man sich nicht gegenseitig erschlägt – und es dennoch
so aussehen läßt ...
Im Schaukampf kommt es nicht darauf an zu gewinnen. Vielmehr soll einem
Zuschauer gegenüber die Illusion eines Kampfes aufgebaut werden.
Es kommt also auf eine gute Choreographie an! Damit ist nicht gemeint,
daß man möglichst viele schnelle und komplizierte Techniken
aneinanderhängt. Davon hat ein ungeschultes Publikum nichts.
Die Aktionen sollten verständlich und möglich sein. Bei (für
das Publikum) unverständlichen Aktionen fangen die Zuschauer schnell
an, sich zu langweilen.
Eine langsame und verständliche Fecht-Sequenz kann für die
Zuschauer ansprechender sein, als eine sehr schnelle, technisch anspruchsvolle
(nur noch für Vollprofis verständliche) Techniken-Abfolge.
Für das Publikum ist es auch wichtig, anfangs eine klare Aufteilung
in „gute“ und „böse“ Charaktere vorzufinden. Um eine Charakterentwicklung
von „gut“ nach „böse“ oder umgekehrt darstellen zu können, benötigt
man ein gewisses schauspielerisches Talent. Wer diese Gabe nicht besitzt,
sollte sich auf eindeutige, nicht veränderliche Charaktere beschränken.
Je weniger Zeit für eine Aufführung vorhanden ist, desto weniger
sollten die Darsteller von guten und bösen Prototypen abweichen. „Graudifferenzierungen“
der Charaktere erhöhen den Reiz der Aufführung nur dann, wenn
genügend Zeit vorhanden ist.
Es gibt zwei grundlegend verschiedene Arten von Fechtsequenzen: die
eine verzichtet völlig auf die Darstellung von Verwundung und Tod
– das Duell bleibt für beide Protagonisten ohne physischen Folgen.
Die andere Variante stellt auch Verletzung und/oder Tod dar. Bei dieser
Variante muß dem Zuschauer gegenüber eine glaubwürdige
Illusion aufgebaut werden.
Professionelles Sterben:
Grunderkenntnisse: Der Körper folgt der Klinge, um die Schnittlänge
zu minimieren. Beispiel: Bei einem Stich dringt die Klinge in den Bauch
ein, der Getroffene knickt also nach vorne zusammen. Wird die Klinge herausgezogen,
folgt der Körper auch hier der Klinge. Das Opfer macht also ein Hohlkreuz
und streckt den Bauch hervor. Bricht der Getroffene zusammen, so krümmt
er sich und bleibt in der Embryonalstellung liegen, um die Wunde zu entlasten.
Desgleichen verhält es sich mit Schnittverletzungen. Der Getroffene
folgt der Bewegungsrichtung der Klinge. Es ist immer gut, nach dem Treffer
die Stelle, an der die Klinge eingedrungen wäre, mit der Hand oder
einem Arm zu verdecken. Dadurch kann die Illusion der Verletzung aufrechterhalten
werden – auch ohne Blut.
Stirbt der Protagonist, so sollte er einige Sekunden liegen bleiben,
bevor er „wiederaufersteht“. Ansonsten fühlt sich der Zuschauer um
die Illusion betrogen. Erfolgt keine Wiederauferstehung, kann gerade für
jüngere Zuschauer ein bitterer Nachgeschmack bleiben. Dieser Nachgeschmack
kann auch dadurch entstehen, daß auf der Bühne zu ernst gestorben
wird. Bühnengefechte sind meist keine ernsthafte Darstellung, sondern
eine Form der gefochtenen Komödie.
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